Und jetzt eine Nummer kleiner im Ortskern - und vielleicht sogar besser?Breitband-Gesellschaft, Lahn-Dill-Bergland-Energie und kleinere Brötchen für den Ehringshäuser Ortskern: Die 23 anwesenden Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertreter bohrten in ihrer Februarsitzung diese dicken und andere Bretter.
Gemeinsam mit bis zu 21 anderen Städten und Gemeinden und dem Lahn-Dill-Kreis sollen in den nächsten Jahren schnelle Internetverbindungen in die bisher unterversorgten Gebiete gelegt werden. In einer gemeinsamen Gesellschaft aus Städten, Gemeinden und Kreis soll es noch in diesem Jahr losgehen. Nötig sind Investitionen von kreisweit rund 43 Mio. €. „Die Finanzierung soll in diesem Modell über eine Bürgschaft des Landes abgesichert werden. Der interkommunalen Zusammenarbeit der Städte, Gemeinden und des Kreises wird vom hessischen Wirtschaftsministerium Modellcharakter zugeschrieben und aus Wiesbaden tatkräftig unterstützt,“ erläuterte Mittenaars Bürgermeister Hermann Steubing, der die Zusammenarbeit federführend koordiniert. Der Lahn-Dill-Kreis seinerseits arbeite eng mit dem Landkreis Marburg-Biedenkopf zusammen, sagte Steubing weiter. Mit 93.500 € (10 € je Einwohner) Stammeinlage ist Ehringshausen mit dabei im Bauprogramm für viele hundert Kilometer Kabel und neue Verteilerkästen. Eine Nachschusspflicht der Gemeinde ist ausgeschlossen. Nachdem Hermann Steubing viele eingehende Fragen beantwortet hatte, stimmte die Gemeindevertretung bei nur einer Stimmenthaltung dem Beitritt Ehringshausens zur Gesellschaft zu.
Ebenfalls mit anderen Kommunen zusammen baut Ehringshausen die erneuerbaren Energien aus. Die Gemeinde wird dazu einer weiteren Gesellschaft beitreten. Sie soll gemeinsam mit anderen Städten und Gemeinden des alten Dillkreises, Hohenahr und einigen Hinterlandkommunen des Kreises Marburg-Biedenkopf saubere Energie produzieren und verteilen. Der Clou der von der Firma JPLH Consult aus Bad Endbach erdachten Konstruktion ist das Bürgerbeteiligungsmodell: Eine ebenfalls auf den Weg gebrachte Genossenschaft soll es allen Bürgern der Region ermöglichen, sich am Ausbau erneuerbarer Energien zu beteiligen, erläuterte Norbert Mai von der Firma JPLH Consult. Auch Mai konnte alle Fragen zur Zufriedenheit beantworten, einstimmig gab die Gemeindevertretung grünes Licht auch für diese Beteiligungen.
Die Gemeindevertretung beerdigte dann den großen Ausbauplan für die neue Mitte der Kerngemeinde. Hier sollen künftig kleinere Brötchen gebacken werden, so Bürgermeister Jürgen Mock (SPD). Der 2010/2011 vorgelegte „große“ Plan für den Ortskern hatte sich wegen hoher Kosten und Problemen beim Grundstückserwerb als undurchführbar erwiesen. Allerdings sei im kleineren Rahmen schon einiges passiert, erinnerte Mock mit Blick auf die kürzlich der Bahnhofstraße eröffnete Seniorenhilfe und die schrittweise Umsetzung des Freiflächenkonzepts für die Dillaue mit dem neuen Mehrgenerationen-Spielplatz und der Dirtbikestrecke.
Solide zeigte sich Ehringshausen schließlich in Sachen Finanzen. Die Gemeinde schloss ausweislich des nunmehr geprüften Jahresabschlusses das Krisenjahr mit einem Haushaltsüberschuss von 877.721,90 € ab. Allerdings hatte Ende 2009 der Kassenkreditbestand immer noch ein Volumen von 2,8 Mio. €. Die Gemeinde konnte diese Überziehung ihres Girokontos bis Ende 2012 auf rd. 140.000 € - also um 95% - abbauen. „Das ist das Ergebnis unserer gemeinsamen Bemühungen,“ dankte Jürgen Mock der Gemeindevertretung. Nach einem Steuertief 2010 konnte die Gemeinde 2011 und 2012 wiederum Haushaltsüberschüsse erwirtschaften. 2013 dürfte diese positive Entwicklung wegen schlechterer Einnahmen aber zunächst nicht weitergehen. Erst 2015 kann Ehringshausen nach aktueller Haushaltsplanung wieder mit Überschüssen rechnen. Die Gemeindevertretung entlastete den Gemeindevorstand einstimmig für das Haushaltsjahr 2009.