SPD-Kreistagsfraktion besucht Flüchtlingsunterkunft und ehrenamtliche Helfer

Veröffentlicht am 01.02.2015 in Landkreis

Wie können Landkreis, Städte und Gemeinden mit der rasch wachsenden Zahl von Flüchtlingen umgehen? Dieser Frage sind Mitglieder der SPD-Kreistagsfraktion, Ehringshausens Bürgermeister Jürgen Mock und der Vorsitzende der SPD-Fraktion in der Gemeindevertretung, Sebastian Koch beim Besuch einer soeben bezogenen Flüchtlingsunterkunft in Ehringshausen-Dillheim nachgegangen.

Eigentümer Frank Schmidt sowie Jürgen Keiner, Tobias Kiewel und Mathew Mayadenu als Gründungsmitglieder des in Gründung befindlichen Vereins „Fremde sind Freunde“ führten die SPD-Vertreter durch das Haus unweit von Dillheims Kirche. Kiewel, ausgebildeter Sozialarbeiter, wohnt als (fast) „normaler“ Mieter im Gebäude – wobei er sich mit den anderen Vereinsmitgliedern stark in der Betreuung der Flüchtlinge in Dillheim, Aßlar und Ehringshausen engagiert.

Bis zu 18 Flüchtlinge können aktuell in Dillheim eine Bleibe finden. Allein in der Großgemeinde Ehringshausen sind zurzeit in dieser und fünf weiteren dezentralen Unterkünften 108 Flüchtlinge untergebracht. Viele kommen aus Afghanistan, Eritrea, Somalia, Äthiopien, Pakistan, Syrien, aber auch Serbien. Gerade Flüchtlinge aus Bürgerkriegsgebieten dürfen oft bleiben, während Serbien inzwischen als so genannter sicherer Drittstaat gilt.

Innerhalb der Städte und Gemeinden im Lahn-Dill-Kreis gibt es in puncto Flüchtlingsunterbringung ein klares Süd-Nord-Gefälle, in Wetzlar und seinen Umlandgemeinden bis Ehringshausen sind wesentlich mehr Menschen untergebracht.

„Anständig und ordentlich, aber natürlich nicht luxuriös“, so stellten sich die Wohnbereiche mit je einer Küche und Bad je Etage dar. Für eine gute Nachbarschaft von Flüchtlingen und örtlicher Bevölkerung braucht es aber viel mehr. Das bestätigte der Besuch für die SPD-Kreistagsfraktion, unter ihnen die Vorsitzende des Arbeitskreises Soziales, Margit Jankowski (Aßlar) und Fraktionsvorsitzender David Rauber (Ehringshausen). So nimmt der Lahn-Dill-Kreis mit seinem zuständigen Fachdienst die Aufgabe der Flüchtlingsunterbringung selbst wahr: „Anders als viele andere hessische Landkreise verteilen wir die Menschen nicht einfach an die Städte und Gemeinden weiter. Daran wollen wir so lange es geht festhalten,“ sagte Dezernent Stephan Aurand. „Außerdem setzen wir auf dezentrale Unterbringung in kleinen Einheiten,“ erklärte er. Einstweilen gelinge beides auch trotz rapide steigender Zuweisungen.

Mit der Unterbringung in kleinen Einheiten wird die Betreuung einerseits aufwändiger, andererseits aber eben auch qualitativ besser. So ist es leichter, die Nachbarn mitzunehmen. In Dillheim gab es einen Tag der offenen Tür für die Nachbarschaft, eine Willkommensparty ist noch geplant. Neben den vom Landkreis für jeden Flüchtling angebotenen 200 Deutschstunden gibt es in Ehringshausen zusätzliche Deutschkurse in den Räumen der Evangelischen Gemeinschaft, wo auch andere Freizeitaktivitäten stattfinden. Jürgen und Roswitha Keiner berichteten, dass einige Ehringshäuser Familien am Weihnachtsfest Flüchtlinge zu Besuch hatten. Auch gemeinsame Ausflüge, etwa ins CVJM-Heim in Rodenroth, gelingen mit ehrenamtlicher Unterstützung. Die muss auf breitere Grundlage gestellt werden, daher nun die Gründung des Vereins. Schließlich kommen laufend neue Menschen dazu, andere ziehen weiter oder müssen auch zurück in ihre Herkunftsländer. Immer wieder müssen also die wichtigen ersten Schritte – wo kann man was günstig einkaufen, wie heißen welche Produkte, wie benutzt man eine Zentralheizung und wie wird gelüftet – erklärt und gegangen werden. Alles das passiert in Dillheim, wo es auch schon Kontakte zu den örtlichen Sportvereinen gibt. Im vorigen Jahr arbeiteten einige Flüchtlinge auch auf dem gemeindlichen Bauhof mit. Das soll es laut Ehringshausens Bürgermeister Jürgen Mock im neuen Jahr wieder geben.

Flüchtlingsunterbringung verlangt also viel mehr als ein Dach über dem Kopf. Die Verwaltungen in Kreis und Gemeinden können dafür einige Weichen stellen, aber ohne zupackende Bürger werden die Menschen ihren Weg in unseren Städten und Gemeinden nicht finden.

 
 

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